Die Saalorgel im Kurhaus Wiesbaden

Meinungen der Profis

Dr. Hans-Martin Balz, Orgelsachverständiger, Mühltal, 1985/1986

Die Orgel ist tadellos gebaut … Der technische Erhaltungszustand der Orgel ist vorzüglich. Die Taschen sind infolge der geringen Benutzung des Instruments nahezu neuwertig. Weiter fallen die sehr sorgfältig und schön gebauten Pfeifen auf,  auch wenn für die großen Pfeifen der Kosten wegen Ersatzmaterialen Verwendung finden mussten. Die Disposition knüpft an Vorbilder des 17. Jh. an und bekennt sich damit zur modernen Orgel ihrer Zeit…Auf der anderen Seite ist sie in Hauptwerk, Schwellwerk und Pedal so reich besetzt, daß Klangwirkungen erzielt werden können, wie sie die Musik des 19. Jh. erfordert.... (Sie) ist also keineswegs nur für Werke des Barock brauchbar, (sondern) eignet sich auch für Musik des 19. und 20. Jahrhunderts  …Ihre Hörbarkeit ist im Saal gleichmäßig günstig. ... Mit ihren Besonderheiten von 1954 hebt sie sich in kennzeichnender und schätzenswerter Weise von den übrigen großen Orgeln der Stadt Wiesbaden ab... Sie ist musikalisch interessant und hat, weil es aus ihrer Bauzeit nicht viele Orgeln dieser Größe gibt, auch einen gewissen Seltenheitswert. Für jeden Organisten, der Sinn für Qualität hat, sollte sie attraktiv sein.

Klaus-Peter Schneider, OBM, Laubach-Münster, 2004

Die Orgel op. 1855 wurde zuletzt 1988 technisch komplett überholt und um 3 Register erweitert. Durch die Ausweitung der Register wurde die Klangstärke der Orgel angehoben. Seit dieser Zeit wurde die Orgel von Herrn Gerecke fachgerecht gereinigt und gestimmt. Von einer Ausreinigung der Zungenpfeifen hat Herr Gerecke in dieser Zeit aufgrund der speziellen Bauart der Pfeifen abgesehen. Insgesamt ist die Orgel in einem technisch sehr guten Zustand. Lediglich die beim Spiel entstehenden Klappergeräusche der Tonrelais unter den Windladen beeinträchtigen das Spiel des Organisten.
Die Pfeifensubstanz …ist gut und weist sehr angenehme und außergewöhnliche Klangfarben auf. …

Prof. Edgar Krapp, München, 2013

Die Orgel im Kurhaus Wiesbaden ist eines der wertvollsten und interessantesten Instrumente der Fa. Georg Friedrich Steinmeyer. Trotz schwieriger Nachkriegszeit wurde sie aus bestem Material gebaut. Nach ihrer umfassenden Restaurierung 1988 erstrahlt sie wieder im alten Glanz. Es bleibt zu hoffen, dass sie möglichst oft im herrlichen Friedrich-von-Thiersch-Saal mit seiner ausgezeichneten Akustik erklingt.

Iveta Apkalna, Riga/Berlin, 2013

The Steinmeyer-Organ in the Kurhaus Wiesbaden and I have met already many times, and we both have experienced a wide range of emotions together, even a kind of a musical adventure. This has made our "relationship" special and strong. This organ has a very individual character - noble, representative, at the same time bright and sparkling, but still peacefully warm and compact in its sound. It asks for very intelligent use of stops and a respectful attitude from the organist. The Steinmeyer-organ fits perfectly the beautiful Kurhaus Concert Hall and in this way helps bringing the "Queen of instruments" back to the concert stage which is an attractive discovery for the public. I keep on hoping that presence of the organ in the Kurhaus Wiesbaden will be a constant pleasure for musicians and listeners.

Prof. Marin Lücker, Frankfurt am Main, 2013

Wer das eindrucksvolle Ensemble des Friedrich-von-Thiersch-Saales mit seiner Steinmeyer-Orgel spielen oder hören durfte, weiß: Diese Orgel krönt den Konzertsaal, so wie sie den Klang des Orchesters mit Glanz und Tiefe gleichermaßen rundet.

Rudolf Müller, Würzburg, 2013

Klanglich hat die Orgel genug Kraft für diesen Raum, ohne aufdringlich zu wirken. Die Disposition ist sehr interessant und inspiriert zu kreativem Registrieren mit teils ungewöhnlichen Lösungen. Vom Spieltisch einmal abgesehen ist die Kurhausorgel ein wertvolles Instrument und ich bin froh, dass sich der Förderverein Kurhausorgel e.V. um den Werterhalt dieses Instrumentes bemüht. So ist hoffentlich sichergestellt, dass die Steinmeyer-Orgel noch viele Generationen an ihrem herrlichen Originalstandort erhalten bleibt. Es gibt nur noch wenige funktionsfähige Orgeln aus der Nachkriegszeit, als Konzertorgel dürfte dieses Instrument sogar das einzige überlebende in Deutschland sein. Insofern ist die Kurhausorgel in zweifacher Hinsicht eine Rarität – noch dazu in guter und bewährter Qualität von Steinmeyer….

Mit einigen Maßnahmen, die einerseits zum Erhalt der Orgel, andererseits praktischen Verbesserungen dienen könnten, wäre die Kurhaus-Orgel wieder ein gefragtes Instrument, welches sich mit neueren Instrumenten ohne weiteres messen könnte….

Olaf Joksch, Frankfurt am Main, 2013

Die Raumwirkung und Klangabstrahlung der Steinmeyer-Orgel von 1954 ist wirklich beeindruckend und passt sich intonatorisch genial dem akustisch hervorragenden Friedrich-von-Thiersch-Saal an. Sehr schöne und charakteristische Einzelstimmen korrespondieren mit einem farbig runden Mixtur- und Zungenplenum, das in seinem vornehmen Klang den optisch wunderbaren Saal nie anschreit, sondern vornehm kommentiert. Damit unterscheidet sich diese Orgel wohltuend von vielen modernen optisch aufgemotzten und akustisch aufgerüsteten Konzerthausorgeln! Fantastisch sind auch das nachträglich eingebaute Solo-Kornett und die Konzertflöte im Hauptwerk mit seinem sehr schönen Prinzipalchor auf 16´-Basis. Der Disposition der 50er Jahre ist leider geschuldet, dass im Schwellwerk keine tragende 8´-Zunge vorhanden ist, die besonders bei der Interpretation französischer Orgelromantik notwendig wäre. Aber das sind im Grunde Marginalien und es wäre zu wünschen, dass dieses Instrument nicht jedem Zeitgeschmack unterworfen wird, auch wenn eine Veränderung in dieser Richtung sicher eine klangliche Verbesserung bedeuten würde! Natürlich ist die gesamte Spiel- und Setzteranlage nicht auf dem allerneuesten Stand – aber auch das macht den Charme dieses individuellen Instrumentes in der Orgellandschaft Hessens aus, das erkundet sein will ...

Evert Groen, concertorganist-improvisator, Mei 2014

Ik had het geluk, dat ik in mijn leven al op veel Steinmeyer- en andere uitstekende orgels mocht spelen. Het grote orgel in het Kurhaus is een van mijn favorieten.
Het Kurhausorgel werd in een tijd gebouwd waar goed materiaal nogal schaars was. Maar het is  een fantastisch instrument geworden.
Het belangrijkste kenmerk van een goed orgel is, dat je met weinig registers de passende klanken voor een bepaalde compositie of improvisatie kunt samenstellen. Dit is met het Kurhaus orgel volledig realiseerbaar.
De klangsterkte van het orgel is goed uitgekiend en het instrument is ook bij zacht spel overal in zaal present.
Wat ik heel goed vind bij de huidige speeltafel, is de overzichtelijke plaatsing van de registerwippen. Dit zou zo moeten blijven. Een nieuwe lagere speeltafel zou het samenspel met orkesten aanzienlijk vereenvoudigen.
Bij improvisaties is een snelle pedaalreactie een vereiste. Veel kerkorgels hebben een langzaam reagerend pedaal, wat ten dele ook aan de vaak royale akoestiek van bepaalde kerkgebouwen ligt. Het Kurhausorgel heeft geen hinderlijke vertragingen. Dit stimuleert mijn creativiteit.

ÜBERSETZUNG
Ich hatte das Glück, in meinem Leben schon viele Steinmeyer- und andere hervorragende Orgeln spielen zu können. Die große Orgel im Kurhaus Wiesbaden ist einer meiner Favoriten.
Zwar wurde sie in einer Zeit gebaut, in der es an gutem Material mangelte; trotzdem ist es ein hervorragendes Instrument geworden.
Das wichtigste Merkmal einer guten Orgel ist, dass es nur weniger Register bedarf, um die passenden Klänge für eine bestimmte Komposition oder Improvisation zusammenzustellen. Dies ist mit der Kurhausorgel lückenlos machbar.
Die Klangstärke der Orgel ist so gut intoniert, dass auch leises Spiel überall im Saal gut zu hören  ist.
Die übersichtliche Platzierung der Registerwippen sollte auch bei einem neuen, modernen Spieltisch unverändert bleiben. Ein niedrigerer Spieltisch würde das Zusammenspiel mit dem Orchester wesentlich erleichtern.
Zur phantasievollen Improvisation bedarf es der schnellen Ansprache des Pedals. Bei vielen Kirchenorgeln reagiert es nur langsam, was teilweise auch an dem oft langen Nachhall des Raumes liegt. Die Kurhausorgel hat solche störenden Verzögerungen nicht. Das stimuliert meine Kreativität.

Bernhardt Brand-Hofmeister, Darmstadt, 2014

Für die Wiesbadener Orgellandschaft ist die Steinmeyer-Orgel im Friedrich-von-Thiersch-Saal des Kurhauses ein besonders wichtiges Beispiel. Der Konzertsaal bietet ideale akustische Voraussetzungen und integriert mit seiner besonderen Architektur und dem goldenen Weinlaubgitter den dahinter verborgenen Orgelprospekt harmonisch in den Raum.
Die Orgelwerkstatt Steinmeyer aus Oettingen baute die größten deutschen Kirchenorgeln, 1879/1937 die Hauptorgel in St. Lorenz in Nürnberg und 1928 die im Passauer Dom, die gleichzeitig die weltgrößte Kirchenorgel ist. Berühmte Komponisten wie Max Reger schrieben Werke für diese Instrumente. Daher war die Fa. Steinmeyer eine gute Wahl, die im 2. Weltkrieg zerstörte Wilhelm-Sauer-Orgel von 1907 durch ihr Opus 1855 im Jahr 1954 zu ersetzen.
Das Zusammenspiel im Kurhaus von Orgelbaukunst, Raumakustik und Architektur schaffen dem Organisten ideale Voraussetzungen. Organist und Zuhörer empfinden gleichermaßen positiv diese Atmosphäre.

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